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Mit dem Smartphone filmt man besser –
und warum auch Qualität noch eine Chance hat

Wie schon in den Vorjahren veranstaltet die Industrie- und Handelskammer zu Köln auch 2018 wieder eine Konferenz zum Thema Bewegtbild, am 28. Juni. Wir sprachen mit Guido Breunung, dem geschäftsführenden Gesellschafter der domstadt.tv GmbH und Mitwirkender des Events.

 

Seit 20 Jahren produzieren Sie mit Ihrer Firma domstadt.tv Filme für die Unternehmenskommunikation. Die Palette reicht vom klassischen Imagefilm bis zum 360-Grad-Video. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage auf dem Bewegtbild-Markt ein?

Wenn Sie mich vor zwei Jahren angerufen hätten, hätte ich Ihnen gesagt: Agenturen, die klassische Video-Produktionen anbieten, sind tot. Damals kam gerade das iPhone 7 mit einer bestechend guten Bildqualität auf den Markt, und wir wurden immer häufiger mit der Argumentation konfrontiert: „Ach, Herr Breunung, das können wir doch auch mit dem Smartphone machen. Wie kommen Sie denn auf dieses Preisniveau, wenn das in dieser Form doch nur einen Bruchteil dessen kosten würde?“

 

Und was haben Sie darauf geantwortet?

Ja, natürlich kann man Filme gut und günstig mit dem Smartphone produzieren, aber nur für einen bestimmten Bereich.  Das ist so ähnlich wie Kochen mit dem Thermomix, das geht ganz hervorragend – für kleine Familien. Wenn Sie damit jedoch die Kantine eines mittelständischen Unternehmens ausrüsten und erwarten, dass alle Genuss-Wünsche der Belegschaft mit dieser Maschine erfüllt werden, stoßen Sie schnell an die Grenzen des Geräts. Mit dem Smartphone können sie schnell produzieren. Wenn Sie Anspruch an Bild, Ton, Licht und Schnitt haben, dann bedarf es eines professionellen Equipments, welches von Profis bedient wird. Nicht zu vergessen ist die Strategieüberlegung, die Grundlage jeder filmischen Produktion sein sollte.

 

Was bieten Sie Ihren Kunden denn nun an?

Die Mischung macht es. Unsere Kunden buchen uns für die Beratung, Produktion und Veröffentlichung hochwertiger Filme für die Unternehmenskommunikation. Und, das ist seit einigen Jahren neu, für Workshops. In offenen und in-house Workshops erklären wir unseren Kunden, wie sie „kleine“ Filme selbst erstellen können. Zum Beispiel mit dem Smartphone oder auch mit Spiegelreflexkameras. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wir können unsere Kompetenz bei den komplexen Produktionen einbringen und unsere Kompetenz für tagesaktuelle Filmsequenzen weitergeben. Dazu gehören: Statements von Mitarbeitern, Impressionen von Messen und Events und Trailern. Diese Filme werden überwiegend im Online-Marketing eingesetzt, und wir merken, wie die Nachfrage danach steigt.

 

Der Kompetenzaufbau bei den Kunden ist also kein Problem für Sie?

Wir profitieren sogar davon. Wir können Unternehmen jetzt viel besser beraten, weil man dort weiß, wovon wir sprechen. Außerdem kommen viele Mittelständler zu uns und lassen ihre Mitarbeiter von uns in Workshops schulen. Daraus entwickeln sich nicht selten neue Aufträge, weil die Kunden merken, dass sie bei manchen Dingen eben doch Profis bauchen. Und das betrifft keineswegs nur den technischen Teil einer Videoproduktion. Man braucht ja auch die Erfahrung und Kompetenz, wann welche Filme wie erfolgreich sind. Die zwei Workshops, die bei uns am häufigsten gebucht werden, sind: „Filme mit dem Smartphone produzieren“ und „Contentstratgie im Videomarketing“.

 

Was gilt es beim Videomarketing zu berücksichtigen?

Wenn man sich anschaut, wie viele Videos bei Facebook und YouTube hochgeladen werden – das ist schon eine wahnsinnig hohe Anzahl. Die Aufgabe lautet also, ein Video zu produzieren, das inmitten dieses unüberschaubaren Angebots genügend Aufmerksamkeit erreicht und das von den Suchmaschinen auch gefunden wird, beispielsweise durch die Auswahl der richtigen Keywords, die dann auch auf der Tonspur und bei Einblendungen benutzt werden müssen. Natürlich ist es auch ganz entscheidend, tatsächlich ganz genau den Inhalt zu bringen, nach dem der Nutzer gesucht hat. Wenn er wissen will, wie man eine Espresso-Maschine repariert, muss in dem Video genau das mit guten Bildern erklärt werden.

 

Das wäre dann im Sinne des Content Marketings ein gelungenes Video.

Genau. Es gibt allerdings noch viele weitere Marketingformen. Beim Influencer Marketing zum Beispiel kommt es darauf an, für das Video eine Person mit möglichst hoher Reichweite in der Zielgruppe zu engagieren. Man muss sich also vorher sehr genau überlegen, welchen Kunden man womit ansprechen will und welche Marketingform dafür die richtige ist. Die Zeiten, in denen es hieß „Ach, lass man einen Imagefilm machen“, sind ein für allemal vorbei. Stattdessen gilt es, eine Strategie zu entwerfen und auf der Basis dieser Strategie Videos zu produzieren. Dazu gehört auch die Frage, wie ich mein Jahresbudget verteile. Wir sagen unseren Kunden immer: Wenn man Summe X für die Produktion von Bewegtbildern ausgibt, muss man noch einmal die Hälfte davon für die Vermarktung des Videos oben drauf rechnen. Ansonsten wird das schnell zum Rohrkrepierer. Es sucht ja niemand nach der Ausbildungskampagne der Firma Soundso. Also muss man dafür sorgen, dass der Nutzer darauf aufmerksam gemacht wird, und das kostet Geld.

 

Wichtig ist ja auch, in den Social-Media-Kanälen zu posten, in denen sich die Zielgruppe tatsächlich aufhält.

Auszubildende würde ich zum Beispiel eher über Instagram ansprechen, weil da die Jüngeren unterwegs sind. Facebook hingegen hat mittlerweile einen Altersdurchschnitt von 45 Jahren. Und dann muss man sich auch noch überlegen, in welcher Frequenz man dort postet. Unternehmen, die so etwas unberücksichtigt lassen und nicht strategisch vorgehen, sind auf diesem Gebiet verloren.

 

Und was ist mit den Unternehmen, die schlichtweg gar kein Bewegtbild posten?

Der Trend ist einfach, dass es für Unternehmen wichtig ist, Bewegtbild einzusetzen. Die Zahlen sprechen dafür. In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel die ARD/ZDF-Onlinestudie spannend, der zufolge über die Hälfte der Deutschen Videos über das Web schaut. Das ist gerade ein Paradigmawechsel wie seinerzeit die Verschiebung der Marketingbudgets von Print zu Online.

 

Bei der Veranstaltung der IHK Köln am 28. Juni 2018 wird es dann auch um die Notwendigkeit gehen, Bewegtbilder strategisch einzusetzen ...

Ja, unser Impulsgeber ist Prof. Dr. Michael Bernecker,  Geschäftsführer des Deutsches Institut für Marketing. In seinem Vortrag „Content Marketing und Video – Erfahrung aus 15 Jahren realer Arbeit“ wird er auch aktuelle Studienergebnisse vorstellen. Ich selbst werde anschließend aus Agentursicht Impulse zum Thema „Wie geht Video Content“ geben. Des Weiteren haben wir Sprecher von spannenden Unternehmen eingeladen, die erfolgreich Bewegtbild einsetzen; sie werden bei  uns aus der Praxis berichten. Das ist erstens Axel Wertz, Geschäftsführer der TSV Bayer Dormagen Gesundheits GmbH, der mittlerweile beim betrieblichen Gesundheitsmanagement Filme und Live-Streams einsetzt. Mit dieser Neuerung hat der TSV für sich neue Märkte erschlossen und sein Geschäftsmodell zeitgemäß aufgestellt. Und wir freuen uns auf Robert Schwienbacher, den 1. Vorsitzenden des Dokumentationsstätte Kalter Krieg – DOKK e.V.; er wird erklären, wie es dem Verein mit Hilfe von 360-Grad-Videos gelungen ist, den Besucheransturm auf den Kölner Atombunker zu erhöhen und zugleich auch zu kanalisieren. Die abschließende Podiumsdiskussion wird ergänzt durch Mareike Roszinsky, Referentin Unternehmenskommunikation der Gelsenwasser AG. Die Podiumsdiskussion wird von Natascha Wiese moderiert und im Internet live gestreamt.

 

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(I. „Filmen mit dem Smartphone“; II. „Contentstratgie im Videomarketing“)