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Videodays 2016: Im Gespräch mit Christoph Krachten

Die Videodays sind Europas größtes YouTuber-Treffen und finden jedes Jahr in Köln statt: 2016 am 19. und 20. August in der LANXESS-Arena. Wir sprachen mit Christoph Krachten, Geschäftsführer der Videodays GmbH.

Wie erklären Sie einem 60-jährigen Liebhaber des linearen Fernsehens, was die Videodays sind?

Oh, da müsste ich ganz von vorne anfangen und ihm erst einmal erklären, was sich in den vergangenen Jahren in der Medienwelt so alles verändert hat. Also erst einmal: Es gibt eine junge Generation, die kaum noch Fernsehen guckt und deren Medien alle im Internet verbreitet werden, sei es Snapchat, Instagram, Twitter, Facebook oder eben auch YouTube. Mit diesen neuen Medien gibt es auch neue Medienproduzenten, oft ganz junge Menschen, teilweise sogar noch Schüler, die Videos produzieren und bei YouTube unglaublich große Reichweiten erzielen. Die Kölnerin Bianca Heinicke von „BibisBeautyPalace“ zum Beispiel hat mit ihrem YouTube-Kanal mehr Zuschauer als „heute“ im ZDF. Die Stars dieser neuen Medienwelt treten bei den Videodays auf, und zu denen kommen 15.000 Jugendliche und feiern. So würde ich das erklären! 

Wie haben sich die Videodays seit ihrer Premiere 2010 verändert?

Sie sind viel professioneller geworden. 2010 war das ein ganz kleines Treffen auf der gamescom, mit Jugendlichen, die noch zu Hause aufgenommen haben. Sie hatten kein Management, und auf ihren Kanälen gab es keine Werbung. Das hat sich alles verändert. Mittlerweile werden die YouTuber von so genannten MCNs unterstützt, von Multichannelnetworks, so einem Mittelding aus Plattenfirma für Videos und TV-Sender.  Die YouTuber von heute produzieren teilweise in professionellen Studios mit professionellen Teams, es gibt Werbekunden, die mit ihnen zusammen Kampagnen machen, und mittlerweile sind auch die ersten Filme mit YouTube-Stars in die Kinos gekommen und die ersten Musikalben veröffentlicht worden. Unter den Zuschauern der Videodays befinden sich übrigens immer mehr Werber; auch ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Szene professionalisiert und die Veranstaltung etabliert hat.

Lässt sich die wirtschaftliche Bedeutung der YouTuber-Szene in Zahlen ausdrücken?

Ich glaube, es gibt noch keine Marktübersicht über diese Branche. Aber es sind sicher Millionenbeträge im zweistelligen Bereich, die da inzwischen umgesetzt werden. Es ist eine noch sehr junge und kleine Branche, die aber ständig wächst. Das Streaming-Angebot RTL II You ist gerade gestartet, das junge Angebot von ARD und ZDF wird demnächst auf den Markt kommen. Generell gewinnt On Demand immer mehr an Bedeutung. Fernsehserien werden heute auf Netflix und Watchever geguckt, die Mediatheken werden immer wichtiger. 

Welche Rolle spielt der Medienstandort Köln in dieser Entwicklung?

Köln ist eine der wichtigsten YouTuber-Städte. Es gibt zwei MCNs in Köln, Tube One und Mediakraft. Zahlreiche YouTuber produzieren hier. 

Wie kommt’s?

Die Medienstadt hat sie mit ihren Produktionsbedingungen angezogen, wobei YouTube-Videos mit viel geringerem Aufwand produziert werden als TV-Formate, aber nicht minder professionell. Wenn man sich zum Beispiel die Kanäle von den Kölner YouTubern Julien Bam und ApeCrime ansieht, merkt man, auf welch unglaublich hohem Niveau da produziert wird. Wer sich als YouTuber für Köln entscheidet, kommt in ein funktionierendes Ökosystem und rekrutiert daraus auch seine Leute.  

Was ist von den Videodays 2016 zu erwarten?

Auch in diesem Jahr treten wieder Produzenten auf, die im Bereich Comedy und Musik zu den größten YouTubern Deutschlands gehören, was ihre Reichweite und Bedeutung angeht. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Marke – die eben schon erwähnten ApeCrime und Bibi von BibisBeautyPalace zum Beispiel. Außerdem veranstalten wir zum ersten Mal einen Songwettbewerb, da kann ganz demokratisch jeder mitmachen und mitvoten. Das wird ein Riesending, das live bei YouTube und RTL II You gestreamt und am nächsten Tag dann auch noch mal bei RTL II gezeigt wird. 

Wird die YouTuber-Szene eigentlich nicht auch langsam älter?

Ich habe Nachbarn, da benutzt der Sohn das Smartphone und googelt „Elefant“, wenn er Elefantenfotos sehen möchte. Er ist anderthalb. Digital Natives beginnen heute mit 18 Monaten. Wir haben also ein sehr, sehr junges Publikum, aber gleichzeitig werden die Inhalte in der Tat auch immer erwachsener und anspruchsvoller, da wird dann auch ein älteres Publikum angesprochen. Ich selber habe zum Beispiel einen Wissenschaftskanal, und in Berlin gibt es eine Gruppe, die islamisches Kabarett macht. Von derartigen Angeboten wird es immer mehr geben. Das diversifiziert sich ständig weiter.

 

Weitere Informationen: videodays.eu

Stand: August 2016