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„Print und Online wachsen zusammen
wie nie zuvor“

Im Mai wurde Ismene Poulakos, Leiterin der Digitalredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers, in die Chefredaktion der traditionsreichen Zeitung berufen. Wir sprachen mit ihr über die Zukunft der Zeitung und die digitale Transformation, die sie weiter vorantreiben soll.

 Sie leiten die Digitalredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers seit einem Jahr. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Zunächst mal macht die Arbeit mit diesem großartigen Team Spaß. Egal wie anstrengend der Redaktions-Alltag ist, zum Beispiel während unseres Relaunches Anfang des Jahres – alle ziehen an einem Strang und sind mit Experimentierfreude und journalistischem Ehrgeiz dabei. Gemeinsam mit der Chefredaktion konnten wir binnen eines Jahres unsere Reichweite um 50 Prozent steigern und das digitale Angebot modernisieren. Das ist eine Leistung, die nur ein motiviertes Team stemmen kann.

Was ändert sich für Sie und den Kölner Stadt-Anzeiger durch Ihre Berufung in die Chefredaktion?

Dem Digitalen wird von der Führungsspitze schon lange eine hohe Priorität zugewiesen. Mit der Berufung wird diese Wichtigkeit auch nach außen und innen unterstrichen. Wir befinden uns mitten im Prozess der digitalen Transformation, Print und Online wachsen zusammen wie nie zuvor. Da können die Digitalen jede Art von Rückenwind gut gebrauchen.

Wird Print Ihrer Meinung nach komplett verschwinden?

Ich würde jetzt keine Prognose abgeben, was in 20 Jahren ist – denken Sie nur mal an die Aussage von Bill Gates, das Internet sei „nur ein Hype“. Aber in den kommenden Jahren wird die gedruckte Zeitung keineswegs verschwinden, im Gegenteil. Sie ist und bleibt ein hochwertiges, sinnliches Medium, das noch lange seine Fans haben wird. Sicher ist aber, dass sich der Charakter der Printzeitung weiter schärfen muss. Die Leser müssen genau spüren, dass die gedruckte Zeitung anders ist als das Digitalangebot. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Zeitung mehr Hintergrund liefert und weniger schnelle News. Dafür ist das Smartphone einfach das ideale Medium.

Wohin geht die Reise bei den digitalen Angeboten der Zeitungen – mehr Bewegtbild, mehr digital first?

Bewegtbild ist sicherlich einer der wichtigsten Trends, aber es geht noch einen Schritt weiter. Mit Facebook Live und Periscope ist es heute möglich, ohne große Kosten oder technische Ausstattung live vor Ort im Video zu berichten. Dies auf hohem journalistischem Niveau zu praktizieren ist eine der großen Herausforderungen. Den zweiten großen Trend sehe ich in der Differenzierung der Kanäle. Welches Thema bereiten wir speziell für Facebook auf, wie kommunizieren wir mobile mit unseren Lesern und welche Serie eignet sich vielleicht für ein E-Book? Die schnelle Entscheidung darüber erfordert eine ganz neue Arbeitsweise der Redaktion.

Wie lässt sich im Internet mit Nachrichten Geld verdienen?

Es gibt leider kein Patentrezept, wie Verlage heute mit Nachrichten Geld verdienen können. Wir reagieren auf diese Herausforderung mit der digitalen Transformation unserer Angebote. Print, Web, Mobile, E-Books, E-Paper, Facebook, Chefredakteurs-Newsletter – als das sind Medien, über die wir unsere Inhalte vertreiben.  Es geht um das „Big Picture“ der Positionierung der Marke. Gewisse Inhalte wird es gegen Bezahlung geben, andere für eine Registrierung und schnelle News wahrscheinlich immer umsonst. Was am Ende zählt, ist der gelungene Mix und die Bindung unserer Kunden und Markenfans.

 

Stand: Juni 2016