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„Der Kameramann ist das Auge des Regisseurs“

Am 10. Mai 2019 findet in Köln die Verleihung des Deutschen Kamerapreises statt. Der Preis wird in acht Kategorien für Kamera und Schnitt verliehen, dazu gibt es einen Ehrenpreis und zwei Nachwuchspreise. Walter Demonte, Leiter der Abteilung „Kamera und Ton“ im WDR, ist dem Deutschen Kamerapreis in verschiedenen Funktionen seit mehr als 20 Jahren verbunden. Im September 2018 übernahm er die Geschäftsführung des Vereins DEUTSCHER KAMERAPREIS e.V. Wir unterhielten uns mit ihm.

Die Preisverleihung 2019 ist die erste unter Ihrer Regie. Sind Sie nervös?
Es gibt eine gewisse Grundnervosität, aber die hat man, denke ich, immer bei so einem Ereignis.

Und sie ist nicht größer als früher?
Ich habe ja auch schon in den Vorjahren bei der Gestaltung der Preisverleihung mitgewirkt und vieles erledigt, was ich jetzt auch als Geschäftsführer mache. Aber klar, die Gesamtverantwortung lastet nun auf mir, und natürlich will ich, dass alles perfekt wird. Insofern spüre ich eine motivierende Anspannung, so würde ich das jetzt mal nennen.

Wird es Veränderungen bei der Preisverleihung geben?
Ja. In den vergangenen Jahren fand die Preisverleihung in einer Produktionshalle des Westdeutschen Rundfunks in Bocklemünd statt. Für 2019 hatten wir eine Kooperation mit der Messe Köln und der photokina angestrebt, und deshalb sind wir zum ersten Mal seit langem wieder im Tanzbrunnen und anschließend zum Empfang nach der Aufzeichnung in den Rheinterrassen. Außerdem sind wir mit der Preisverleihung gut eineinhalb Monate früher dran als in den Jahren zuvor.

Die photokina findet dieses Jahr allerdings nun doch nicht statt.
Ja, das war eine Entscheidung der Messe, noch ein Jahr auszusetzen. Wir haben aber auch für die Zukunft das Ziel, mit der photokina zu kooperieren.

Welche Überlegung steckt hinter dieser Entscheidung?
Wir sehen darin die große Chance, auf der Messe zusätzliche Präsenz für die Preisträger zu erzeugen. Für das nächste Jahr planen wir Workshops, in denen wir die Arbeit der Preisträgerinnen und Preisträger einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit geben wollen, in einen Dialog mit ihnen zu treten. Es war in der Geschichte des Deutschen Kamerapreises übrigens schon einmal so, dass wir die Preisverleihung im Rahmen der photokina ausgerichtet haben. Irgendwann hat das dann aber terminlich nicht mehr so gut zusammengepasst, zudem hat sich die photokina lange Zeit auf das Thema Fotografie konzentriert.

Und das ist heute anders?
Ja. Durch die Digitalisierung ist heute jedes Fotogerät immer auch eine Bewegtbildkamera. Deshalb ist die photokina seit einigen Jahren jetzt wieder eine Messe, die Neuerungen sowohl in der Fotografie als auch in der Filmgestaltung präsentiert.

Warum ist der Deutsche Kamerapreis wichtig?
Kameramänner und -frauen sind wie Editoren und Editorinnen in der Regel Leute, die auch bei großen Filmprojekten eher im Hintergrund bleiben. Meist hat man zu diesen Menschen gar kein Bild. Der Kamerapreis will diese wichtigen Gestalter ins Licht rücken und ihnen eine Öffentlichkeit geben, um ihre Leistungen zu würdigen.  

Wie erklären Sie einem Laien, warum ein Kameramann mehr ist als der Typ, der mit der Kamera das macht, was der Regisseur ihm sagt?
Der Kameramann beziehungsweise die Kamerafrau ist das Auge des Regisseurs oder der Regisseurin und reflektiert und übersetzt die Ideen der Regie ganz konkret ins Visuelle. Bei der Entwicklung des Films sind Regie und Kameramann beziehungsweise Kamerafrau gestalterische Partner. Manchmal müssen Kameraleute aber auch ganz intuitiv entscheiden, wie sie ein Thema visualisieren. Gerade bei journalistischen Formaten ist häufig gar keine Zeit, über Details zu diskutieren, da muss man den Inhalt gut verstehen und ihn gleich visuell übersetzen. Unser diesjähriger Ehrenpreisträger, Benedict Neuenfels, tut sich mit dem Begriff Kameramann deshalb auch schwer, er sieht sich als Mitautor des Films und spricht lieber von Director of Photography. 

Gibt es außer bei Ort und Termin noch weitere Veränderungen bei der Preisverleihung?
Vergangenes Jahr hatten wir nur einen Nachwuchspreis, den die Firma Panasonic sponsert. Für 2019 konnten wir noch die Firma SIGMA gewinnen, deshalb verleihen wir in diesem Jahr wieder zwei Preise. Bei den Kategorien sind wir aber erst einmal bei denen geblieben, die wir auch schon in den Vorjahren hatten. Es bleibt also auch bei der Kategorie „Fernsehfilm/Serie“. Da folgen wir der Tendenz des Marktes, dass Serien immer mehr an Bedeutung gewinnen. Über viele, viele Jahre war das Fernsehspiel ja die kreative Spielwiese für Filmschaffende im fiktionalen Bereich, da gab es die größten Budgets, da konnte am meisten gemacht werden. Mittlerweile entwickelt sich die Serie dahin, die Serienproduktionen haben teilweise sehr große Budgets und treiben die visuellen Innovationen in der Erzählform voran. Die Koproduktion „Babylon Berlin“ hat zum Beispiel das Budget eines Kinofilms. Da können dann natürlich auch ganz andere Standards gesetzt werden, die eindrucksvoll in den Ergebnissen sichtbar werden. Das gilt natürlich auch für die in diesem Jahr nominierte Folge der Serie „Das Boot“.

Das WDR Fernsehen zeigt am 13. Mai 2019, ab 22.40 Uhr, einen Zusammenschnitt der Preisverleihung.