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„Großes Potenzial sehe ich rund um den Bereich Games“

Nordrhein-Westfalen feiert 2016 seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass unterhielten wir uns mit Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann. 

Welche Rolle spielt die Medienwirtschaft für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes?

Die Medienwirtschaft ist in Nordrhein-Westfalen nicht nur eine sehr starke, sondern auch eine besonders vielfältige Branche. Ob Film oder Fernsehen, Games oder Internet, Webvideo oder Mobile – jede dieser Teilbranchen der Medienwirtschaft hat in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Aufschwung erlebt. Hinzu kommt: Viele Unternehmen sind längst multimedial aufgestellt oder vernetzen sich innerhalb der Medienwirtschaft und mit anderen klassischen Branchen der NRW-Wirtschaft. Eine Konsequenz aus dieser Entwicklung war es, die Film- und Medienstiftung NRW zu einer Förderinstitution für die gesamte Medienbranche auszubauen. Dank dieser Umstrukturierung ist es nun möglich, neben der Filmbranche auch innovative Fernsehinhalte, Games oder 360-Grad-Produktionen zu unterstützen. 

Wo sehen Sie für die Zukunft das größte Potenzial und was muss gemacht werden, um es möglichst optimal auszuschöpfen?

Es ist nicht sinnvoll, eine Teilbranche der Medienwirtschaft besonders herauszuheben. Natürlich verändert sich die Medienlandschaft durch die anhaltende Digitalisierung, aber wir sehen, dass viele klassische Medienhäuser sich längst den neuen Gegebenheiten angepasst haben und zu den Vorreitern bei der Entwicklung innovativer Ideen gehören. Gleichzeitig entstehen viele neue Unternehmen, die sich mit kreativen Ideen am Markt etablieren und von den ausgezeichneten Rahmenbedingungen profitieren, die sie in Nordrhein-Westfalen vorfinden. Ich sehe mit großer Freude, dass Nordrhein-Westfalen sich zu einem der wichtigsten Standorte für die Internetbranche entwickelt hat. Köln gilt gemeinsam mit Berlin als bundesweit wichtigster Standort für YouTube-Künstler und Multi-Channel-Netzwerke. Großes Potenzial sehe ich auch rund um den Bereich Games. Hier unterstützen wir die Branche sehr intensiv in einem Dreiklang aus finanzieller Förderung, Investitionen in Fachkräfte und dem Ausbau der Vernetzung von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern.

Wie sehen Sie NRW bei der Medienwirtschaft im Ländervergleich aufgestellt?

Kein anderes Bundesland zählt so viele Beschäftigte in der Medien- und Kommunikationsbranche wie Nordrhein-Westfalen. Über 400.000 Menschen arbeiten in mehr als 24.000 Unternehmen und erwirtschaften mehr als ein Drittel aller Umsätze der Medien- und Kommunikationsbranche in Deutschland. Dazu tragen neben dem WDR sowohl die großen, multimedial aufgestellten Konzerne wie Telekom, Vodafone oder die Mediengruppe RTL als auch viele tausend kleine und mittelständische Produktionsfirmen, Entwicklerstudios und Verlage bei. Das Besondere ist, dass Nordrhein-Westfalen im Gegensatz zu anderen Medienstandorten quer durch alle Teilbranchen und Regionen auch in der Breite seine Spitzenposition seit vielen Jahren behauptet. So ist NRW etwa im Fernsehbereich mit mehr als einem Drittel aller in Deutschland produzierten TV-Minuten seit vielen Jahren Spitzenreiter.

Mit ihrer Förderung trägt die Film- und Medienstiftung NRW entscheidend dazu bei, dass so erfolgreiche Filme wie „Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Rush“ oder „Der Vorleser“, aber auch Fernsehserien oder Games entstehen. Natürlich profitiert die Games-Branche auch davon, dass die „gamescom“, Europas größte und wichtigste Messe für interaktive Unterhaltungselektronik, jedes Jahr in Köln stattfindet. Gerade auch in dieser Branche steckt ungeheure Dynamik, angefeuert von vielen Kreativen.

Worauf kann NRW 70 Jahre nach Gründung besonders stolz sein?

 Aus meiner Sicht ist besonders bemerkenswert, wie es gelungen ist, den Weg vom Industrie- und Bergbaustandort zum Dienstleistungsstandort zu gehen. Die Entscheidung, dabei einen Schwerpunkt auf die Medien- und Kommunikationsbranche zu legen, hat in besonderem Maße dazu beigetragen, dass Nordrhein-Westfalen ein herausragendes Beispiel dafür ist, wie ein solcher Strukturwandel sozial verträglich gelingen kann. Die Film- und Fernsehbranche war hier in den Achtziger- und Neunzigerjahren Vorreiter, aber vom Erfolg dieser Branchen haben auch die Games-Branche und die Internet- und Webvideoindustrie profitiert, die heute einen festen Platz in der Medienlandschaft Nordrhein-Westfalens haben.

 

Weitere Informationen: www.filmstiftung.de/

 

Stand: August 2016