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Filmplus 2017 – in Europa einzigartig

Vom 13. bis zum 16. Oktober 2017 findet im OFF Broadway und im Filmforum zum mittlerweile 17. Mal „Filmplus“ statt, das Festival für Filmschnitt und Montagekunst. Wir sprachen mit der künstlerischen Leiterin Kyra Scheurer.

Es gibt Neuigkeiten bei Filmplus ...

Ja, die beiden Gründungsväter, Nicolaj Nikitin und Oliver Baumgarten, sind im vergangenen Jahr ausgeschieden, um sich anderen Projekten zu widmen. Deshalb gibt es jetzt ein neues Gesellschafter-Trio, bestehend aus Jenny Krüger, Dietmar Kraus und mir. Der Wechsel der Gesellschafter ist aber weniger für das Publikum als vielmehr für unsere Förderer und Sponsoren relevant – auf inhaltlicher Ebene bleibt einiges beim Alten. Jenny Krüger ist bereits seit drei Jahren für die Organisation verantwortlich, und ich bin auch schon seit 2003 bei Filmplus tätig, seit 2009 als künstlerische Leiterin. Ganz neu ist lediglich Dietmar Kraus, der als Nachfolger von Oliver Baumgarten die künstlerische Leitung des Spielfilmwettbewerbs angetreten hat.

Gibt es also kaum sichtbare Veränderungen?

Wir werden natürlich eigene Akzente setzen, aber große Programmneuerungen gibt es in diesem Jahr noch nicht, die ersten Veränderungen haben wir zunächst hinter den Kulissen in Ablauf und Organisation vorgenommen. Bis geplante inhaltliche Veränderungen sichtbar werden, dauert es naturgemäß bis zum nächsten Jahr, da für ergänzende Elemente neue Partner gewonnen werden müssen et cetera. Wir haben allerdings auch nicht die Absicht, alles neu zu machen. Wir prägen das Festival ja jetzt schon seit Jahren mit und finden, dass es ausgesprochen gut funktioniert.

Kann man eigentlich nach wie vor sagen, dass Filmplus eine in Europa einzigartige Veranstaltung ist?

Ja. Diese Kombination aus Festival mit dotierten Preisen und aus Kongress mit Panelgesprächen gibt es sonst nirgendwo.

Sie vergeben – neben dem Ehrenpreis für Inge Schneider – auch in diesem Jahr wieder Schnittpreise für Spiel- und Dokumentarfilme sowie den Förderpreis Schnitt. Wer sitzt da in der Jury?

Die Vorjury bestand wie jedes Jahr aus erfahrenen Editoren. Beim Festival selber setzt sich die Jury aus Vertretern aller möglichen Gewerke zusammen, weil uns wichtig ist, dass auch andere Gewerke über Montage sprechen und Montage sehen lernen. Man spricht ja auch von der unsichtbaren Kunst des Filmschnitts. Wir machen die Künstler dahinter sichtbar und wollen den Blick für Montage bei den Kollegen und im Kinopublikum schärfen.

Wie hat sich Filmplus im Hinblick auf die Akzeptanz beim Publikum in Laufe der Jahre entwickelt?

Filmplus ist sehr fest verankert in der Film- und Postproduktionsbranche, aber auch darüber hinaus. Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2001 hat sich die Anzahl der Besucher, die mit Film beruflich nichts zu tun haben, immer weiter vergrößert. Bei vielen fing das so an, dass sie sich einfach nur einen bestimmten Film anschauen wollten und dann gemerkt haben: Das ist ja superspannend, was im Filmschnitt passiert. Da haben wir mittlerweile einige Stammgäste. Für die Editoren ist Filmplus eine Art Familientreffen geworden, mit einer ganz kontinuierlichen Teilnahme und großer Herzlichkeit und Wärme.  

Sie verzichten bewusst auf Glamour ...

Ja, Filmplus ist mehr inhaltlich orientiert, und das macht auch die ganz besondere Atmosphäre bei uns aus. Das zeigt sich bei den Podien, an denen sich das Publikum sehr rege beteiligt. Editoren sitzen ja zumeist in ihren Schnitträumen. Dadurch, dass sie bei uns ein Forum haben und quasi gezwungen sind, über ihre Arbeit zu sprechen, ist es für sie selbstverständlicher geworden, Worte für ihre scheinbar unsichtbare Kunst zu finden und dem Publikum zu vermitteln, was sie eigentlich machen und was das Besondere daran ist. Das finde ich ganz wunderbar.