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Rückblick 2020 – Ausblick 2021

Vertreterinnen und Vertreter der Kölner Medien- und Kulturwirtschaft schauen zurück auf ein schwieriges Jahr und wagen einen Blick nach vorne – auf ein hoffentlich besseres 2021.

„Mit Maske und Abstand zu feiern wird schwer für alle.“

Karl-Heinz Brozi, Geschäftsführer der Fühlinger See Veranstaltungsgesellschaft mbH, die in Köln das Summerjam Festival veranstaltet

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Mit der Hoffnung, aber auch der Erwartung, dass die Behörden und die Bundesregierung ihrer Aufgabe nachkommen, die Leute zu impfen, um möglichst schnell wieder den Unterhaltungs- und Kultur-Markt öffnen zu können.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Auch wir mussten, wie viele andere Unternehmen, unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und Gelder in neue Geräte investieren, um ihnen Homeoffice zu ermöglichen. Geschäftsmodelle mit geringeren Kapazitäten kommen beim Summerjam Festival nicht in Frage, da eine Mindestanzahl an Besucherinnen und Besuchern benötigt wird, um keine Verluste zu machen.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Das wird von den Behörden und der Wirksamkeit des Impfstoff abhängen; Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel Desinfektionsmittel-Ausgabestellen werden kein Problem sein, aber mit Maske und Abstand zu feiern wird schwer für alle.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Es gibt zurzeit keine Erwartungen, nur Wünsche. Wenn bis Ende März klar sein wird, dass mehrere Impfstoffe auf dem Markt sind, die Risikogruppen inklusive des Personals in pflegerischen und medizinischen Bereichen durchgeimpft sind, wird es schwer sein, weiterhin auch Großevents oder Festivals zu verbieten.

„Wir hoffen auf erste Lockerungen in der zweiten Jahreshälfte.“

Heiko Rühl, Geschäftsführer von Klubkomm, des Verbandes Kölner Clubs und Veranstalter e.V.

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Die Hoffnung auf die Erfolge der Impfkampagne überwiegt aktuell die realen negativen Auswirkungen des zweiten Lockdowns seit November 2020. Die Musikclubs in Köln sind bereits seit dem Frühjahr 2020 in einer äußerst schwierigen Situation. Seit beinahe einem Jahr sind Musikveranstaltungen, wie wir sie kennen, nicht mehr möglich. Zumindest im Sommer 2020 gab es wieder Kulturprogramme mit den bekannten Einschränkungen, die ein wirtschaftlich auskömmliches Arbeiten jedoch kaum möglich machten. Mit den bisherigen Unterstützungsmaßnahmen des Bundes, Landes und insbesondere der Stadt Köln konnten die Strukturen der Kulturorte bis jetzt erhalten werden. Bis eine vollständige Normalität zurückkehrt, wird unsere Branche jedoch auf weitere Hilfen angewiesen sein. Die Umsatzrückgänge seit beinahe einem Jahr liegen immerhin bei 80 bis 90 Prozent im Durchschnitt. 

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Musikveranstaltungen leben von der Atmosphäre, der Nähe des Publikums und den Künstler*innen. Dieser Rahmen ist unter den Gegebenheiten einer Pandemie nicht möglich. Mit Beginn des Lockdowns im März 2020 wurden zwar viele Konzerte und weitere Veranstaltungsformate in den digitalen Raum übertragen, den analogen Besuch können sie jedoch nicht ersetzen. Dies zeigte sich auch bei der Resonanz des Publikums, die nach einer „Anfangseuphorie“ zwischenzeitlich spürbar nachgelassen hat. Unsere Geschäftsmodelle basieren im Kern auf der unmittelbaren Erfahrung und den Austausch vor Ort.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Der dramatische Einschnitt hat dazu geführt, dass die positive, öffentliche Wahrnehmung von Musikclubs weiter gestärkt wurde. In Köln haben wir das Glück, dass sowohl die Stadt als auch ihre politischen Vertreter*innen die freie Kulturszene im Allgemeinen und natürlich auch die Sparte Musik schon länger unterstützen und offen für deren Belange sind. Auf der Landesebene hat die Krise entscheidende Türen geöffnet. Wir hoffen natürlich, dass diese auch in der Post-Corona-Zeit offen sind. 

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Wir hoffen auf erste Lockerungen in der zweiten Jahreshälfte, um schrittweise die Musikclubs wieder öffnen zu können. Wir erwarten, dass dies zunächst mit Kapazitätseinschränkungen geschieht. Wichtig wird das Vertrauen des Publikums sein, wieder Veranstaltungen in geschlossenen Räumen besuchen zu können.

 

„Die Situation verlangt von allen Beteiligten viel Einsatz und Flexibilität.“

Nadja Radojevic, Geschäftsführerin der ifs internationale filmschule köln

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Ich starte mit einer positiven Stimmung ins Jahr 2021. Jammern führt ja zu nichts! Natürlich ist die Situation sehr herausfordernd und verlangt von allen Beteiligten viel Einsatz und Flexibilität. Aber wir versuchen, die Bedingungen für Studierende, Lehrende und das Team bestmöglich zu gestalten, und gehen optimistisch in das neue Jahr.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Wir haben fast den gesamten Lehrplan von Präsenz- auf Onlinelehre umgestellt – zumindest sofern dies inhaltlich möglich war. In einer Filmschule gibt es natürlich auch praktische Lehrinhalte, wie zum Beispiel Kameraübungen, die sich nicht in einem Online-Lehrformat abbilden lassen. Diese wurden und werden entsprechend verschoben und zu gegebener Zeit unter strikten Infektionsschutzauflagen nachgeholt. Das Team der ifs arbeitet vorwiegend mobil aus dem heimischen Büro, und sämtliche Besprechungen finden online statt.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Unsere regelmäßig stattfindende Curriculums-Konferenz mit Professor*innen aus ganz Deutschland wird auch zukünftig vorwiegend online stattfinden. Wir haben gemerkt, dass die Qualität des Gedanken- und Informationsaustauschs kaum leidet und gleichzeitig zeitaufwändige Anfahrten vermieden werden können. Und nebenbei schonen wir die Umwelt. Darüber hinaus können wir uns vorstellen, wenige ausgewählte Lehrveranstaltungen auch weiterhin online durchzuführen. Grundsätzlich bleiben Präsenzveranstaltungen aber die erste Wahl zur Vermittlung unserer Lehrinhalte.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Ich hoffe und bin optimistisch, dass wir spätestens zum Wintersemester 2021/22 wieder zu einem geregelten Präsenzbetrieb – natürlich weiterhin mit strengen Infektionsschutzmaßnahmen – zurückkehren können. Im vergangen Sommer und Herbst haben wir hiermit gute Erfahrungen gemacht. Wir sind unter anderem mit Luftreinigungsgeräten entsprechend ausgestattet, um einen sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen, sobald das Infektionsgeschehen dies wieder zulässt.

„Im Studiobereich erkennen wir schon jetzt eine starke Auslastung im ersten Halbjahr.“

Jens Wolf, Geschäftsführer der MMC Studios Köln GmbH

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Wir starten sehr positiv gestimmt ins neue Jahr. Natürlich war 2020 eine einzige Aneinanderreihung neuartiger Herausforderungen, doch wir haben das Jahr trotz aller Widrigkeiten gut gemeistert. Wichtig dabei war, dass wir proaktiv organisatorische und technische Lösungen geschaffen haben, wie wir in Zeiten der Pandemie unsere Arbeit machen und trotz aller Einschränkungen unsere Kunden optimal bedienen können. In der Krise zeigt sich, wie agil ein Unternehmen aufgestellt ist. Uns ist es nicht nur gelungen, 2020 erfolgreich abzuschließen. Wir haben auch den Grundstein für ein erfolgreiches 2021 mit vielen Innovationen gelegt.

Ein Wermutstropfen ist die nach wie vor schwierige Lage im Bereich der Großveranstaltungen auf internationaler Ebene – eigentlich würden wir jetzt viele große eSports Events produzieren – und im Bereich Messen. Es ist uns jedoch bereits 2020 gelungen, alternative Projekte zu akquirieren und erfolgreich umzusetzen. Ich bin deshalb sehr zuversichtlich, dass sich dieser Trend fortsetzt.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Der Studiobereich, und hier vor allem der Bereich Entertainment-Shows, ist nach wie vor unser wichtigstes Geschäftsfeld. Das liegt aktuell auch daran, dass Produktionsfirmen ein sicheres, kontrollierbares Produktionsumfeld suchen.

Dieses finden sie bei uns, da wir bereits im letzten März sehr schnell Konzepte erarbeitet haben, wie man solche Produktionen trotz Pandemie bei uns umsetzten kann. Von März bis Anfang Juli 2020 hatten wir das höchste gleichzeitige Produktionsaufkommen der Unternehmensgeschichte, und auch im zweiten Halbjahr haben wir sehr viele Produktionen umsetzten dürfen. Wir haben also das Know-how und dazu reichlich Erfahrung bei der Produktion unter diesen besonderen Bedingungen.

Aufgrund der Einschränkungen wurden auch alternative Produktionskonzepte gefördert. Für unseren Bereich TV-Produktion ist das Thema „Remote Produktion“ besonders relevant. Damit lassen sich Außenproduktionen aus einer zentralen Regie im Studio steuern. Am Außenproduktionsort wird nur ein kleines Basis-Team benötigt. Diese Art der Produktion wird bei uns sicher stark an Bedeutung gewinnen.

Im Bereich Film- und Serienproduktion sehen wir ein riesiges Interesse am Thema „Virtual Production“. Bei dieser Produktionsmethode, die mit der Disney-Serie „The Mandalorian“ weltweit für Furore gesorgt hat, wird im Studio vor hochauflösenden LED-Screens gedreht. Gerade in Zeiten, in denen viele Drehorte nicht erreichbar sind, ist „Virtual Production“ besonders interessant, da man damit Drehorte aus aller Welt ins sichere und kontrollierbare Umfeld des Studios holen kann. 

Unseren Bereich Außenübertragung hat es 2020 zunächst einmal kräftig getroffen. Zum Glück ist es uns gelungen, alternative Lösungen und Vertriebsansätze zu fahren.
Statt der Vielzahl von kleinen und großen Events, die es vor der Pandemie bei uns in den Studios gab, haben wir 2020 eine ganze Reihe von virtuellen oder Hybrid-Events von Unternehmen und Verbänden bei uns durchgeführt. Darunter waren Hauptversammlungen, Produktpräsentationen und Tagungen, die aus den MMC Studios in alle Welt gestreamt wurden.

Wie bei vielen Unternehmen hat das Thema „Homeoffice“ bei uns stark an Bedeutung gewonnen. Wir haben die dafür notwendige Technik an alle Mitarbeiter*innen ausgegeben, deren Aufgaben die Arbeit im Homeoffice erlaubt. Darüber hinaus haben wir in den Abteilungen, bei denen es möglich war, Team-Splits eingeführt, d.h. jeweils das halbe Team arbeitet die halbe Woche im Homeoffice. Sollte also einmal jemand aus dem Team-Teil, der gerade vor Ort ist, erkranken, können wir den ganzen Team-Teil austauschen, so dass eine reibungslose Kundenbetreuung gewährleistet ist.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Das Thema Homeoffice ist von unserer Belegschaft gut aufgenommen worden, vor allem wegen der relativ freien Zeiteinteilung und der verbesserten Work-Life-Balance. Aus diesem Grund werden wir das Thema Homeoffice sicher weiterverfolgen.

Im Studiobereich haben wir eine starke Auslastung im ersten Halbjahr, vor allem durch Entertainment-Shows, aber auch durch Filme, Serien und den Corporate-Sektor. Weiterhin wird das Thema „Remote Production“ immer wichtiger werden. Im Bereich Film und Serien wird sich der Trend zur Virtual Production fortsetzen. Zum einen, weil man nicht mehr große Teams zu entlegenen Drehorten senden muss, zum anderen, weil Virtual Production diverse Vorteile gegenüber Green-Screen-Produktionen hat. In diesem Jahr werden wir die ersten Filmprojekte in den MMC Studios sehen, bei denen diese innovative Produktionsmethode zur Anwendung kommt.

Unsere Corporate Event-Kunden konnten bei ihren bisherigen virtuellen Events bzw. Hybrid-Events in den MMC Studios viele Erfahrungen sammeln und haben gelernt, dass diese Art der Events funktioniert und sich auch rechnet. Wir denken daher, dass auch nach Ende der Pandemie nur ein Teil der Firmenevents Präsenzveranstaltungen sein werden und der Rest als virtuelle Events umgesetzt werden wird.

2020 war in der gesamten TV- und Filmbrache ein starker Zusammenhalt zu sehen. Die Kommunikation und Solidarität zwischen Sendern, Produzenten, Dienstleistern und Branchenverbänden war ausgezeichnet. Dies hat die Branche geprägt und wird auch in 2021 spürbar sein.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Das Jahr 2021 steht bei uns vor allem im Zeichen von Innovationen und neuen technischen Entwicklungen. Seit Januar haben wir einen eigenen UHD HDR Übertragungswagen, so dass wir sowohl in unseren Studios als auch on Location Produktionen aller Art und Größe mit eigenen Ressourcen in diesem neuen TV-Standard umsetzen können. Ebenso werden wir unser Engagement im Bereich Virtual Events bzw. Hybrid-Events stark ausbauen. Wir haben eines unserer Studios eigens für solche Events reserviert und mit entsprechender Technik ausgestattet. Die voraussichtlich starke Auslastung unserer Studios lässt uns sehr positiv auf 2021 blicken.

 

„Kinos und Festivals müssen so bald wie möglich wieder eröffnen können.“

Sonja Hofmann, Geschäftsführerin des Filmbüro NW e.V., der die Interessen von mehr als 220 Filmemachern und Filmemacherinnen vertritt

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Vorsichtig optimistisch und zugleich wachsamen Auges:

Die Tatsache, dass die Kultur mit ihrer Kreativität, Inspiration und Begeisterungsfähigkeit den Menschen sehr gefehlt hat, bedeutet eine verstärkte Wertschätzung auch für die Filmkultur; dies kam auch in der Politik an, die teils schnell mit Hilfen reagiert hat: Die neuen Ausfallfonds der Landesregierung NRW (siehe Antwort b) oder die 15.000 Stipendien für freischaffende Künstler*innen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW sind auch als Ausdruck dieser Wertschätzung und Unverzichtbarkeit zu sehen.

Die Erfahrungen aus 2020 zeigen zudem, dass durch die Einschränkungen der Pandemie der Vernetzungsgedanke innerhalb der Branche noch an Bedeutung hinzugewonnen hat: Die verschiedenen Verbände der Filmwirtschaft und Kultur wie auch der Kulturrat NRW haben verstärkt den Austausch gesucht, um gemeinsame Positionen zu formulieren. Dieses Engagement hat dazu beigetragen, dass Soforthilfen und gesonderte Beratungsprogramme auf den Weg gebracht wurden.

Die Auswirkungen der Pandemie werden uns jedoch noch längerfristig beschäftigen; die Nöte der Filmschaffenden und der Branche gilt es auch weiterhin genau zu beobachten und zu begleiten, um weiter gemeinsam Hilfsprogramme einzufordern und stetig nachzubessern.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Neben einer starken Zunahme digitaler Arbeitsabläufe, der Verlagerung von Meetings und Events, die der Branchen-Vernetzung dienen, in den Online-Bereich, mussten Filmproduktionen, Veranstaltungsorte, Filmfestivals etc. neue Abläufe entwickeln, sich neu "erfinden".

Festivals: Die vielfältigen Filmfestivals in Köln und NRW haben Hygienekonzepte entwickelt und erfolgreich Online- und Hybrid-Modelle auf den Weg gebracht, um trotz der neuen Herausforderungen stattfinden zu können. Als Orte der Begegnung, Vernetzung und Resonanz fehlen die Festivals wie auch die Kinos der Branche jedoch enorm.
Kinos: Abspielorte mussten den Hygiene- und Infektionsschutzkonzepten gerecht werden; zusätzlich zum eingeschränkten Kinobetrieb wurden Online- und Streaming-Modelle entwickelt. Aufgrund der sehr starken Umsatzeinbußen unterstützte die Film- und Medienstiftung NRW die Kinos mit Soforthilfen und einer Verdopplung der Programmprämien; die Landesregierung legte das Hilfsprogramm "Film ab NRW" für Kinobetriebe auf.  

Filmproduktionen: Durch die Pandemie wurde vor allem das Thema der Risikoabsicherung extrem wichtig. Das gleiche gilt für die Beteiligung der Sender an den Mehrkosten, die durch aufwändige Hygienemaßnahmen sowie durch Drehabbrüche oder -verschiebungen und den damit verbundenen deutlich längeren Produktionszeiten entstehen. Die Hauptlast des Fertigstellungsrisikos liegt bei den Produktionsfirmen. Besonders stark wurden in diesem Zusammenhang daher Ausfallfonds diskutiert, an denen sich der Bund bzw. die Länder und TV-Sender paritätisch beteiligen; nach dem Ausfallfonds I für Kinoproduktionen und High-End-Serien, der vergangenen September vom Bund auf den Weg gebracht wurde, trat nun Anfang Januar der Ausfallfonds II unter maßgeblichem Einsatz der NRW-Staatskanzlei in Kraft, der bei Corona-bedingten Produktionsstörungen für TV- und Streamingproduktionen beantragt werden kann und von den Ländern wie von Sendern und Streaming-Anbietern getragen wird.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Die Digitalisierungsprozesse wurden insgesamt durch die Pandemie stark beschleunigt. Dies zeigt sich etwa im Ausbau der Mediatheken der Sender und weiterer Streamingplattformen. Auch Kinos und Verleihfirmen bieten zusätzlich digitale Filmstarts an, und Festivals werden weiterhin Online- oder Hybrid-Modelle kreieren, wie zum Beispiel gesonderte Online-Wettbewerbssektionen oder Interviewformate per Videocall. Doch sind diese Angebote nur ergänzend zu sehen. Kinos und Festivals müssen als lebendige Orte des kreativen Austauschs, der Vernetzung, Rezeption und Resonanz so bald wie möglich wieder eröffnen können. Trotz der erwähnten Soforthilfeprogramme werden die Auswirkungen der Pandemie noch längerfristig spürbar sein. Weitere Hilfen sind unabdingbar, um die Unabhängigkeit und Vielfalt der Branche – der solo-selbständigen Künstler*innen und Filmschaffenden, der Produktions-, Verleihfirmen und der Abspielstätten – auch weiterhin zu gewährleisten.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Der persönliche und kreative Austausch innerhalb der Branche und auch das Feedback von Zuschauer*innen sind für die Filmschaffenden unabdingbar. Dies lässt sich nicht auf digitalen Wegen ersetzen. Ich erwarte für 2021, dass Veranstaltungsorte, sobald die Bedingungen es zulassen, wieder zugänglich sein werden und freue mich bereits sehr auf den Besuch von Kinos und Festivals.

Auch in 2021 wird es von großer Wichtigkeit sein, mit den Sendern, der Politik und Förderanstalten im Austausch zu bleiben, um weiterhin an der Verbesserung der Absicherungen der Branche zu arbeiten und gemeinsam an Programmstrategien zu justieren. Hierzu werden die in 2020 bereits begonnenen Gesprächsformate und Arbeitsgruppen weitergeführt und vertieft werden. Auch für die wichtige Vernetzung innerhalb der Branche gilt es, stetig im Austausch miteinander zu bleiben, Problemfelder zu diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.

 

„Wir reiten zurzeit immer auf drei Pferden gleichzeitig.“

Klaus Eschmann, Projektentwickler, Veranstalter und Produzent

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Ich spüre definitiv eine Aufbruchsstimmung. Die vergangenen Monate haben die Branche und die gelebten Konzepte ordentlich durchgeschüttelt. Die Situation als Chance begreifend, müssen wir die Projekte immer wieder neu an dem ausrichten, was möglich ist oder möglich sein könnte. Gerne benutze ich das Bild, dass wir zurzeit immer auf drei Pferden gleichzeitig reiten, damit wir am Ende mit mindestens einem im Ziel ankommen. Mit unseren aktuellen Projekten wie zum Beispiel „STRASSENLAND 2021“ oder dem Sommerkino im Rheinauhafen sind wir in der konkreten Planungsphase.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

„Verändertes Geschäftsmodell“ impliziert, dass wir nun wieder ein Geschäft haben. Im Heute sind wir im harten Lockdown. Ein Licht am Ende des Tunnels ist zwar sichtbar, aber ein verlässliches Timing lässt sich daraus leider noch nicht ableiten. Heißt, unser Geschäft ruht und wir versuchen, im Standby-Modus die Zeichen der Zeit klug zu deuten, um im rechten Moment handlungsfähig zu sein.

Eine Veränderung ist sicherlich, dass wir nicht auf Expansionskurs sind, sondern vielmehr versuchen, unsere Basis zu schützen, um eine solide Startposition in der Zeit "nach“ Corona zu haben.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Dauerhaft ist ein schweres Wort in einer Welt, die sich so rasant verändert und in Bewegung ist. Veranstaltungen und Events sind von Nähe und Dichte geprägt, und ich hoffe, dass die Corona-Zeit die Menschen nicht zu nachhaltig konditioniert hat, vor Nähe und Körperkontakt Angst zu haben. Ich wünsche mir wieder ein Händeschütteln und eine herzliche Umarmung zur Begrüßung.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Wir sind mit vielen klugen Menschen im Gespräch, um mit neuen Ideen und Konzeptansätzen für die kommenden Reduzierungen der Beschränkungen aufgestellt zu sein. Wir müssen heute die Möglichkeiten denken und vorbereiten, um in den kommenden sommerlichen Monaten handlungsfähig zu sein und die Menschen mit spannenden und sicheren Angeboten unterhalten zu können. Wir müssen es schaffen, der entstandenen Verunsicherung in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Wir möchten die Menschen unterhalten und begeistern, da haben Sorgen keinen Platz.

„Wir alle werden ein neues ,Normal‘ finden müssen.“

Ute Biernat, CEO UFA Show & Factual

 

In welcher Stimmung starten Sie ins neue Jahr? 

 

Ich bin grundsätzlich positiv eingestellt und daher auch guter Stimmung. Wie sagt man so schön: „Neues Jahr, neues Glück.“ Wir sind als UFA Show & Factual im vergangenen Jahr noch ganz gut durch die Krise gekommen, da hat es andere Branchen sehr viel härter getroffen. Dass wir mit der Unterhaltung einmal systemrelevant sind, hätte wahrscheinlich vor der Pandemie auch keiner gedacht. Zum Glück hat sich schnell gezeigt, dass die Zuschauer Unterhaltungsshows auch unter verschärften Bedingungen, also ganz ohne Studio-Publikum und mit ausreichend Abstand aller Protagonisten, honorieren. Unterhaltung ist immer gekoppelt an die Stimmung der Gesellschaft und gerade in schwierigen Zeiten stark gefragt, denn sie bietet Ablenkung und lässt für einen Moment die anstrengende Zeit vergessen.

 

Inwieweit haben Sie aufgrund der Pandemie Ihr Geschäftsmodell, Ihre Arbeitsweise und/oder Ihre Unternehmensstrukturen verändert? 

 

Wir haben uns glücklicherweise noch nie vor Veränderungen gescheut – was wir ändern können, ändern wir. Home- bzw. Mobile Office war für uns in dem Umfang neu, daher haben wir spontan im März letzten Jahres für alle Mitarbeiter einen Test-Tag im Homeoffice angesetzt. Am Arbeitstag darauf wurde ausgewertet und nachgebessert, wo beispielsweise Technik fehlte, und dann ging es schon für alle nach Hause an den Schreibtisch. Unser Geschäftsmodell musste nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden, was sich aber stark verändert hat, sind unsere Planungen und Arbeitsweisen innerhalb der Produktionen. Wir haben wahrscheinlich so viele Notfall-Szenarien wie noch nie für jedes einzelne Projekt erstellt. Was sich zudem sehr positiv verändert hat, ist der Zusammenhalt innerhalb der Branche. Über alle Unternehmensgrenzen hinweg wurden Maßnahmenkataloge abgestimmt und sich gegenseitig geholfen, wo es ging. Gerade in Köln sitzen alle wichtigen Unterhaltungsfirmen quasi nebeneinander den Rhein rauf und runter, und natürlich sind wir alle Konkurrenten, aber wir helfen uns gegenseitig mehr denn je. Das hat großen Impact auf unser Gemeinschaftsleben.

 

Welche Veränderungen werden dauerhaft sein?

 

Die Bürosituation wird sich dauerhaft verändern, denn keiner wird mehr zu 100 Prozent ins Büro zurückgehen wollen. Das zeigen auch unsere ersten internen Umfragen. Außerdem werden wir die neuen Online-Tools, die sich bewährt haben, beibehalten. Wir haben zum Beispiel bereits vor Corona seit längerer Zeit verschiedene Online-Casting-Tools getestet. Die Pandemie hat die Einführung schließlich beschleunigt, und wir konnten auch von zu Hause aus direkt flächendeckend für unsere Sendungen wie „Take Me Out“, „Sag die Wahrheit“ und „DSDS“ weiter casten. Das Online-Casting wird das persönliche Casting zwar nicht ersetzen, aber es kann sehr hilfreich sein, wenn jeder, der Lust hat, bei einem unserer Projekte mitzumachen, sich relativ schnell und unkompliziert von überall casten lassen kann.

 

Was erwarten Sie für das Jahr 2021? 

 

Für die erste Jahreshälfte rechne ich damit, dass wir uns noch weiterhin privat wie öffentlich einschränken müssen, daran führt kein Weg vorbei. Später, in der zweiten Jahreshälfte, wird dann hoffentlich wieder mehr möglich sein, so dass man wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Ich glaube allerdings nicht, dass alles irgendwann wieder „ganz normal“ werden wird. Wir alle werden ein neues „Normal“ finden müssen. Aber eins ist klar, ohne Spaß geht’s nicht.

 

 

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