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„Es ist eine große Ehre.“

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Ausschnitt aus dem fritzi Animationsfilm

Was sagen Sie zur Nominierung?

Richard Lutterbeck (RL): Wahnsinn! Wir haben wirklich nicht damit gerechnet. Ich habe sogar eine Wette verloren, und ich habe sie gerne verloren. Es ist eine große Ehre, und der Film bekommt damit die Aufmerksamkeit, die er als kleiner Arthouse-Film für Kinder braucht. Wir sind dadurch auch in einer besseren Position, wenn wir demnächst neue Zusammenarbeiten dingfest machen wollen.

Matthias Bruhn (MB): „Fritzi“ ist der erste Animationsfilm seit neun Jahren, der in der Kategorie „Bester Kinderfilm“ nominiert worden ist. Das ist eine enorme Bestätigung für unsere Arbeit und wichtig für unser Standing als Trickfilmproduzent.

 

Es wäre nicht der erste Preis für „Fritzi“ ...

RL: Ja, aber die Nominierung jetzt schlägt mit Abstand die höchsten Wellen. Zuvor hatten wir unter anderem auch schon den Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie „Bester Kinderfilm“ erhalten, während der Berlinale 2020. Der ist zwar nicht dotiert, war aber dennoch eine ganz wichtige Geschichte. Gut für uns war auch, dass der Film bei nationalen und internationalen Festivals gelaufen ist und dort auch Preise gewonnen hat. Das alles ist toll, das bringt Presse und ist auch eine Bestätigung für die Förderinstitutionen, die uns bei „Fritzi“ unterstützt haben, und für die Fernsehsender, die bei der Produktion mit an Bord waren, darunter Arte und der WDR.  

 

In welchen Ländern gab es denn noch Preise?

RL: In Belgien und Tschechien. Gezeigt wurde „Fritzi“ aber auch schon auf Festivals in Amsterdam, New York und in Chicago.

MB: Und ohne Corona wäre ich als nächstes nach Tokio geflogen, ebenfalls zu einem Festival.

 

Seit wann gibt es das TrickStudio Lutterbeck?

RL: Seit 1998. Am Anfang haben wir vor allem Auftragsproduktionen gemacht, Bilderbuchadaptionen und ganz viel für den WDR: „Die Sendung mit der Maus“ oder für „Die Sendung mit dem Elefanten“ ... Dadurch bekamen wir weitere Aufträge und haben nach und nach auch eigene Kurzfilmprojekte entwickelt und produziert, mit denen wir auch Preise gewonnen haben. Und dann kam 2007 die Fernsehserie „Molly Monster“, mit einem Weihnachtsspecial und einem Kinofilm.

MB: Das hat uns dann noch mal weitere Türen aufgemacht. Allerdings waren wir da noch nicht der federführende Produzent so wie jetzt bei „Fritzi“. „Fritzi“ hätten wir vor zehn Jahren aber auch noch nicht machen können. In den vergangenen zehn Jahren ist unser Erfahrungsschatz noch einmal deutlich gewachsen, genauso wie unser Standing bei den Förderinstitutionen.

 

Da wäre als erstes die Film- und Medien Stiftung NRW zu nennen.

MB: Ja, sie unterstützt uns wirklich gerne, und das von Anfang an. Als mit der Zeit unsere Produktionen immer größer wurden, sind auch die Fördersummen größer geworden. Man kann also wirklich sagen, dass uns die Filmstiftung auf unserem Weg begleitet. Bei „Fritzi“ hat sie auch schon die Entwicklung mit einer Fördersumme mitgetragen.

 

Wie kommt es eigentlich, dass eine internationale Ko-Produktion daraus wurde?

RL: Unsere erste Idee war, alles in Deutschland zu machen. Wir haben aber schnell gemerkt, dass das Projekt so nicht finanziert werden kann und wir uns internationaler aufstellen müssen. Das hat dann etwas länger gedauert, weil der Stoff nicht so bekannt war. Das ist zwar eine Buchadaption, aber halt keine „Känguru-Chronik“. Zusammen mit unserem Partner in Dresden haben wir dann auch noch Partner in Belgien, Luxemburg und Tschechien gefunden, die an unsere Idee geglaubt haben und mit uns die Finanzierung auf die Beine gestellt haben.

MB: Natürlich mussten wir dann auch die Aufgaben auf die einzelnen Länder verteilen. Das ist zwar komplizierter, was die Logistik und das Zusammenbringen der unterschiedlichen Vorlieben angeht, hat dem Film aber auch gutgetan.

RL: Die Musik zum Beispiel kommt aus Luxemburg, und sie trägt die Geschichte wirklich sehr, sehr gut.

MB: Es waren auch noch Studios in Polen, China und auf den Philippinen beteiligt – nicht bei den kreativen Arbeiten, sondern zum Beispiel bei den Reinzeichnungen. Die sind sehr zeitintensiv und hätten in Deutschland sonst deutlich mehr Geld gekostet.

 

Wenn Produktionen so international aufgestellt sind, wird Ihre Arbeit doch gewiss auch durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt.  

RL: Bei unserer aktuellen Produktion ist das so. Weil ein Studio geschlossen hat, ist zurzeit gerade die Lieferkette unterbrochen, aber wir versuchen das soweit wie möglich zu kompensieren.

 

Und Ihre Mitarbeiter?

RL: Die sind momentan alle im Home Office. Aktuell sind es zwölf.

 

Woran arbeiten Sie denn aktuell?

RL: Animationsfilm ist halt nicht nur Kinderfilm: Da ist zum einen „Die Sirene“, eine deutsch-französisch-belgisch-luxemburgische Koproduktion über den Kriegsausbruch 1980 im Iran / Irak, bei der wir nur ein kleiner Partner sind. Und da ist zum anderen das Projekt „Pizza Kabul“, eine Zusammenarbeit mit Heimatfilm aus Köln. Das wird eine Mischung aus Real- und Trickfilm werden

MB: Bei dem animierten Teil geht es um ein kleines Mädchen, das während des Kriegs in Afghanistan ihre Eltern verliert und in eine Fantasiewelt flüchtet. Da sind wir gerade in der Entwicklung und hoffen, noch in diesem Jahr die Finanzierung auf den Weg zu bringen. Und 2021 soll es dann losgehen.

 

Die 70. Verleihung des Deutschen Filmpreises wird zum allerersten Mal live ausgestrahlt: Am 24. April um 22:15 Uhr im Ersten. Durch den Abend führt Schauspieler und Entertainer Edin Hasanovic. Doch er wird nicht allein sein! Viele Filmschaffende, Musikerinnen, Musiker, Laudatoren und Laudatorinnen arbeiten daran, das deutsche Kino an diesem Abend trotz räumlicher Trennung gemeinsam zu feiern: Sie werden am 24. April live aus ihren Wohnzimmern dazu geschaltet.